Eineinhalb Jahre war Carlo Drechsel auf dem schwarzen Kontinent unterwegs. Immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer und der perfekten Welle. Aber dass er zwischen Müll und gestrandeten Tankern die vielleicht beste Wedge Afrikas findet, hätte er selbst nicht gedacht.

Die Welle

„Situiert im Hafen der verrücktesten Stadt der Welt – Lagos City in Nigeria – ist sie nicht jedermanns Sache, die vermutlich beste Wedge Afrikas. Immer wieder kommt es vor, dass neben Müll und Tankern auch Leichen angeschwemmt werden, die zu Hunderten, ja vielleicht sogar Tausenden, in die Kanäle der Stadt geworfen werden. Erst kürzlich ging ein Aufschrei durch die Presse, als ein neunjähriger Junge in einer Einkaufstraße lebendig in einem Akt der sogenanten „Mob Justice“ verbrannt wurde und der Leichnam daraufhin mehrere Tage einfach in der Straße vor sich hinverweste. Werden die Leichen nicht irgendwann von Familie oder Polizei eingesammelt, kann es gut sein, dass sie in Tarkwabay a.k.a. T-Bay wieder auftauchen. Aber bevor du die Welle surfen kannst, musst du erst einmal dorthin kommen, was nicht ganz einfach ist: Wenn du es bis nach Lagos geschafft hast, musst du dir zunächst deinen Weg durch das Verkehrs-Armageddon der 18-Millionen-Einwohner-Stadt bahnen. Dann musst du dir ein Boot organisieren, um überhaupt nach Tarkwabay zu gelangen. Und als wäre das nicht alles schon genug Hassle, muss dann auch noch der Swell passen…“

Der Surfer auf dem Bild

„Godpower ist der erste schwarze Surfer Nigerias und inzwischen Besitzer der ersten Surfschule Nigerias. An dem Tag, als dieses Foto entstand, saßen wir, begleitet von Supertankern, die nur wenige hundert Meter weiter den Exit des Hafens ansteuerten, in aller Ruhe im Wasser und teilten uns eine braune Welle nach der anderen Welle.“

Die Locals

„Neben Godpower wird T-Bay vor allem von John aka Sick Rabbit gesurft. Der weiße Nigerianer dominiert die Welle wie kein anderer seit seinem 12. Lebensjahr. Inzwischen hat sich aber auch eine kleine Crew von Kindern aus dem Fischerdorf gebildet, das dort gleich am Strand liegt. Sie chargen, egal ob mit ganzen, halben oder gar keinen Surfboards. Aber es gibt auch einige Expats, die in Lagos arbeiten und teilweise den Job nur annahmen, weil sie von dem Monster von T-Bay wussten.“

Carlo Drechsel, Surfer, Abenteurer & Fotograf

Du willst mehr über Carlo Drechsels Reise durch Afrika erfahren? Anfang Januar hält er einige Vorträge in Deutschland, in denen er von seinen Abenteuern erzählt und Bilder seiner Reise zeigt. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Und hier geht’s zur Friday Evening Wave von letzter Woche nach China, wo eine Welle bricht, die wie der wahrgewordene Traum eines Longboarders aussieht.