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Germans cant surf: Valeska Schneider

Germans cant surf: Ja Freunde, ihr wisst es, wir wissen es: wir Deutschen, Schweizer und Österreicher genießen nicht den besten Ruf in der Surfszene. Oft werden wir mit einem Stück Holz verwechselt, wenn wir wieder wie Falschgeld im Line-up im Weg liegen, aber durch gutes Surfen fallen wir doch eher selten auf.

Beitragsbild: Julius Niehus

Aber die Bestimmung unseres Lebens ist ja nicht Erfolg, sondern heroisches Versagen und deshalb bleiben wir meist hartnäckig am Ball. Und es ist ja hinlänglich bekannt, das Talent lediglich eine Abform großer Geduld ist. Und so gibt es auch in unseren Breitengraden Surfer, die das Spiel mit der Geduld so weit getrieben haben, dass sie mittlerweile ein sehr ordentliches Niveau surfen, obwohl sie landlocked aufgewachsen sind. Wir haben diese Menschen ausfindig gemacht und stellen sie euch in unserer Serie #Germanscantsurf (respektive #Swisscantsurf oder #Austrianscantsurf) vor. Unsere erste Entdeckung war die Schwarzwälderin Valerie Schlieper. Heute stellen wir euch die Wahl-Berlinerin Valeska Schneider vor.

Steckbrief Valeska Schneider

Ist aufgewachsen in: Starnberg

Stance: Goofy

Sponsoren: Rip Curl, DKB, Wellenwerk, Planet Sports, Swox

Lieblingssurfspot: Lakey Peak, Indonesien

Surfen seit: 2012

Eisbach oder Meer: Habe am Meer angefangen und erst 3 Jahre später es mal am Eisbach versucht. Ich liebe beides auch weil es so unterschiedlich ist! :)

Germans cant surf Valeska Schneider

Servus Valeska, würdest du dich als Pro-Surferin bezeichnen?

Ich bin seit Ende 2018 Vollzeit bezahlt fürs Surfen, also würde ich mich als Profi bezeichnen.

Du warst lange im Nationalkader, nun haben dir die Expat-Kids den Rang abgelaufen. Wie viel Ärger schwingt da mit?

Dass man irgendwann vom Nachwuchs überholt wird, ist in der Sportwelt ein Naturgesetz. Ich finde es aber schon ein heikles Thema, dass man seine Nationalität wechselt, sobald eine Sportart olympisch wird und Fördergelder ins Spiel kommen. Wenn man sich erst für ein Team entschieden hat und für dieses auch bei Weltmeisterschaften startet und dann plötzlich zum Deutschen Team wechselt, kaum die Deutsche Sprache spricht, eigentlich auch nie in dem Land gelebt hat und auch nicht dort trainiert, dann finde ich es schon enttäuschend, dass so etwas von nationalen und olympischen Verbänden gefördert wird.

Hat man heutzutage noch eine Chance im Contest Circus, wenn man nicht am Meer aufgewachsen ist?

Ich glaube persönlich, dass man mit dem richtigen Training, vor allem in den vielen neuen Wavepools, mega viel gut machen kann. Wenn man das Training also sehr professionell angeht und nicht nur Stunden im Meer verbringt, um gute Wellen zu suchen, kann man es schon weit bringen. Das Oceanknowledge kann natürlich nicht ersetzt werden und man muss schon immer wieder ans Meer, aber ich glaube trotzdem, dass es sehr spannend wird sobald der Nachwuchs in landlocked Ländern guten Zugang zu den Wavepools bekommt.

Du bist 2019 einige QS Events gesurft. Warst du mit deinen Ergebnissen zufrieden?

Ich hatte nur Anfang des Jahres ein paar Events gemacht, mich dann aber entschieden, meinen Fokus auf das Rapid Surfen umzulegen und die Saison gar nicht zu Ende gemacht. Ich habe gemerkt, dass es mir zu viel war mich auf zwei Contest-Touren zu fokussieren und bin sehr froh über meine Entscheidung, da ich einige Ziele im Rapid Surfen dadurch erreichen konnte.

Valeska Schneider
Backhand Game on point. Spot: Barbados Pic: Ronnie Vuorela

Du hast erst nach dem Abitur zum Surfen angefangen. Eine ziemlich normale deutsche Surfbiografie also. Verrate uns dein Geheimnis: wie bist du trotz “fortgeschrittenem Alter” noch so gut geworden?

Ich hatte von Anfang an immer verschiedene Coaches, die mich trainiert haben. Mir war es immer wert dafür mein Geld auszugeben, weil ich jedes Mal immense Fortschritte gemerkt hatte und ich unbedingt besser werden und nicht in der Deutschen Surfer Schublade stecken bleiben wollte. Und ich war auch kein Schönwettersurfer. Immer wenn ich am Meer war, war ich bei jeglichen Bedingungen im Wasser. Auch bei Wind, Regen und Kälte.
Vor allem aber seit dem ich mit dem Smoothstar Skaten und dem Rapid Surfen angefangen habe, habe ich nochmal einen riesigen Schub gemacht. Damit kann man eigentlich super die Technik immer und immer wieder üben und sich das auf Video direkt anschauen. Ich verbringe immer noch sehr viel Zeit damit, alle Videos zu analysieren und die Bewegungen mit den World Tour Surfern zu vergleichen.

Valeska Schneider
Trockentraining. Foto: One and only Anita Fuchs

Und jetzt der Evergreen: du lebst mittlerweile in München und bist Stammgast am Eisbach und an der City Wave; wie hilfreich ist der Transfer aufs Meer wirklich?

Ich bin tatsächlich vor ein paar Wochen nach Berlin gezogen um im Wellenwerk zu trainieren. Gerade bei der sehr hohen Welle in Berlin kann man durch die Höhe und den starken Druck sehr weit ins “Tal” fahren und dadurch wird es immer mehr einem Bottom Turn im Meer angenähert. Ich bin voll überzeugt, dass mich das Rapid Surfen bei richtiger Meertechnikanwendung wirklich weiter bringt. Jedes Mal, wenn ich wieder ans Meer komme, habe ich das Gefühl ich habe mehr Power in den Beinen, besseres Gleichgewicht und surfe generell einfach schneller und kraftvoller.

Valeska Schneider
Boardgefühl wird wohl nirgends so schnell verbessert wie auf einer stehenden Welle.

Und was hilft mehr: an stehenden Wellen wenn man vorher am Meer gesurft ist (das war ja bei dir der Fall) oder stehende Wellen fürs Meer?

Ich finde es ist ein super Gegenspiel und man kann beides als Ergänzung sehen. Man muss aufpassen, dass man sich nicht die falsche Technik am Bach angewöhnt, weil das da teilweise trotzdem funktioniert, aber dann kann man sich echt einen Vorteil verschaffen, wenn man im Meer dann endlich mal eine Welle erwischt. Andersherum, wenn man durchs Meer-Surfen sich schon eine gute (vor allem Smallwave) Technik angeeignet hat, kommt man schnell (nach einer kleinen Eingewöhnungsphase) auf Rapid Waves klar.

Bist du eigentlich noch Kadermitglied beim DWV?

Nein, seit Anfang letzten Jahres nicht mehr.

Gibt es die Möglichkeit als Deutscher Surfer, abseits des Competiton-Zirkus, als Free-Surfer ein Leben zu bestreiten?

Es ist auf jeden Fall ein Trend, dass Unternehmen vermehrt an Surfern interessiert sind sie in ihren Werbekampagnen zu platzieren. Das hat aber dann schon auch viel mit dem Social Media Auftritt und auch Wettkampfergebnissen zu tun. So ein klassisches lukratives Freesurfen, wo es um reine Content-Produktion für die Deutsche Surferwelt geht, gibt es eher selten.

Frankreich hat gerade wieder seine Pforten geöffnet und in wenigen Tagen folgt Spanien. Wo verbringt Valeska Schneider den Sommer?

Ich bleibe erstmal in Berlin und trainiere für die Rapid Surf DM. Mir gefällt der Sommer in Deutschland eigentlich sehr gut und ich werde mich dann eher im Winter wieder aus dem Staub machen, auch wenn sich die Coronalage vielleicht noch etwas mehr entspannt hat.