Das Anti-Hai-Wachs – oder: Können tote und in Surfwachs verarbeitete Haie ihre lebenden Artgenossen tatsächlich vertreiben? 

Das Anti-Hai-Wachs

So funktioniert’s: Einfach dein Board wachsen und schon bist du rundum vor Haiangriffen geschützt! Naja, zumindest in der Theorie, denn das Anti-Hai-Wachs gibt es bisher noch nicht zu kaufen, aber ein Amerikaner hat die Idee bereits zum Patent angemeldet (US20090013902 A1). Die Zutatenliste für das Wunderwachs: Etwas Chemie (getrocknetes Natriumsulfat und Natriumlaurylsulfat, die beide eine abschreckende Wirkung auf Haie haben sollen) plus eine Substanz, die aus toten Haien extrahiert wird. Hört sich nach Miraculix’ Zauberkessel an, doch wirkt das auch?

Das meint der Experte: „So seltsam ist die Idee mit dem Wachs gar nicht! Bereits in den 1940er Jahren stattete die US Navy ihre Soldaten mit so genannten ‘Shark Chasern’ aus – an Schwimmwesten befestigte Wachsriegel, die sich im Wasser auflösten und unter anderem Kupferazetat enthielten, ein Bestandteil verwesenden Haigewebes. Aktuelle Untersuchungen haben bestätigen, dass bei sich zersetzenden Haien ein Botenstoff entsteht, der für ihre Artgenossen extrem unangenehm sein muss und sie stark irritiert: Bei Versuchen auf den Bahamas wurde ein Gemisch aus pürierten Blauhaien, Karibischen Riffhaien und Galapagoshaien ins Wasser gesprüht, wo sich gerade eine Gruppe Haie an zuvor ausgebrachten Köder zu schaffen machte. Das Ergebnis: Binnen einer Minute war die Party zu Ende und kein einziger Hai mehr zu sehen! Wirksamkeit hin oder her – das ist natürlich meiner Meinung nach keine vertretbare Methode. Sollte man die entsprechenden Stoffe, die die Fluchtreaktion auslösen, identifizieren und synthetisch herstellen können, sähe die Sache schon anders aus. Trotzdem bleiben bei dem Wunderwachs einige Fragen offen: Soll der Stoff, der mit dem Wachs kombiniert wird, langsam und über einen längeren Zeitraum ins Wasser abgegeben werden? Wie konzentriert muss die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sein, damit das Wachs überhaupt einen Effekt hat? Und will man als Surfer wirklich dazu beitragen, das Meer mit Chemikalien zusätzlich zu verschmutzen?“

Fazit: Was lernen wir nun aus unserer Hai-Abwehrwoche? “DAS Abwehrmittel gegen Haie gibt es nicht!”, meint unser Experte Dr. Matthias Schaber. “Aber vielleicht rücken folgende Zahlen das Bild vom ‘gefährlichen Raubtier’ etwas gerade: Jedes Jahr sterben zwischen 73 und 200 Millionen Haie als Folge gezielter Fischerei oder als Beifang, aber durchschnittlich ‘nur’ etwa sechs Menschen durch Haiangriffe.” Bleibt die Frage, wer eigentlich vor wem geschützt werden muss, oder? Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Organisationen, die sich für den Schutz von Haien einsetzen, zum Beispiel die Shark Savers oder Sea Shepard. Wer sich engagieren oder spenden möchte, sammelt sicher einige Karma-Punkte – und wer weiß, vielleicht sind die viel wirksamer als jedes Haiabwehrprodukt, wenn du im Lineup tatsächlich einmal auf einen etwas zu neugierigen Hai treffen solltest…

Jedes Jahr sterben zwischen 73 und 200 Millionen Haie als Folge gezielter Fischerei oder als Beifang, aber durchschnittlich ‘nur’ etwa sechs Menschen durch Haiangriffe.