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How to survive Puerto Escondido mit Taz Knight

Während Indonesien seine Pforten für den Surftourismus weitgehend geschlossen hat, ist ein anderes Land mit Weltklasse Wellen und warmen Wasser weiterhin für jedermann zugänglich: Mexiko. Hier trifft man gerade so viele Europäer wie wohl nie zuvor. Falls ihr Lust habt, mal so richtig zu chargen und nicht vor großen Wellen zurückschreckt, dann haben wir hier eine schöne Überlebensanleitung fürs Big Wave Surfen für euch: How to Survive Puerto Escondido. 

Dieses Interview ist erschienen in unserem Printmagazin Prime Surfing #5.

Nachgefragt hat Lars bei dem englischen Charger Taz Knight

Interview: Lars Jacobsen

Beitragsbild: Luke Gartside

 

Taz, du hast einen Go-Pro-Clip veröffentlicht, bei dem man sieht wie dich ein massives Puerto Escondido-Set niederwalzt. Kannst du uns ein bisschen über diesen Tag erzählen?

Es war das erste Mal überhaupt, dass ich in Puerto Escondido rausgepaddelt bin. Ich bin die Nacht zuvor angekommen und hatte gesehen, dass es ziemlich groß war. Es war Ende April. Als ich morgens aufgewacht bin, bin ich sofort runter zum Strand gelaufen, nur um zu sehen, dass es noch größer und noch heftiger geworden war. Ich war etwas nervös, 30 Fuß und riesige Barrels an einem nie gesurften Spot
machen immer Eindruck. Trotzdem war ich recht selbstbewusst. Ich hatte
viel trainiert und fühlte mich fit. Ich bin gut rausgekommen, setzte mich
auf mein Board und atmete ordentlich durch, um zu relaxen. Nach ca.
zwanzig Minuten paddelte ich die erste Welle an. Ich saß goldrichtig
und als die Welle kam, reagierte mein Körper instinktiv. Ich dachte an
nicht viel. Ich drehte mich einfach nur um und paddelte so hart ich
konnte. Es lief alles gut, ich stand den Drop und schoss geradewegs
das Face runter. Gerade als ich zum Bottom Turn ansetzte, sah ich wie
eine Lawine aus Weißwasser das Face runter rollte. Ich musste mich
also entscheiden. Rase ich das Face wieder hoch und entkomme eventuell
dem Weißwasser oder biege ich lieber ab in Richtung Strand und
lass die Welle hinter mir explodieren? Ich entschied mich für Lösung Nummer
zwei. Keine gute Idee. Die Lippe der Welle schlug direkt hinter mir
ein und riss mich brutal vom Board. Die nächsten sechs Wellen landeten
auch auf meinem Kopf.

How to survive Puerto Escondido
Keine Angst vor großen Drops. Puerto Econdido ist die gefürchtetste Welle Mexicos.

Oh Lord, das klingt schrecklich. Was hast du gemacht, als du wieder Land unter den Füßen hattest?

Ich musste mich erstmal hinsetzen und zu Atem kommen. Ich japste nach Luft und sah Sterne vor meinen Augen. Ich stützte meinen Kopf mit meinen Händen, da ich das
Gefühl hatte, jede Sekunde ohnmächtig werden zu können. Doch
ich erholte mich recht schnell und paddelte wieder raus. Und ich bekam
auch noch ein paar echt gute Wellen an diesem Tag! (lacht)

Viele Leute bekommen schon nach wenigen Sekunden unter Wasser das Gefühl, dass sie ertrinken würden. Wie gehst du damit um, wenn du sechs Mal hintereinander schreckliche Hold-Downs einstecken musst?

Das Wichtigste ist ruhig zu bleiben. Es ist okay Angst zu haben, doch du darfst nie in Panik verfallen. Sobald du Panik bekommst und gegen die Situation ankämpfst, verbrauchst
du viel mehr Sauerstoff, als wenn du einfach abwartest und schaust, was passiert.

How to survive Puerto Escondido
Diese Welle hat hat Taz Knight besiegt. das Set davor gabs im Plenum auf den Kopf.

Was macht speziell Puerto Escondido eine so brutale Welle?

Da kommen einige Faktoren zusammen. Da ist zum einen der Pazifik.
Es ist der größte Ozean der Erde und die Stürme, die die Wellen produzieren
und irgendwann auf Mexiko treffen, zählen zu den heftigsten
überhaupt und starten oft in Australien. Sobald sie Mexiko erreicht haben,
sind es die kraftvollsten Wellen auf dem Planeten. Der zweite Faktor ist ein Unterwasser-Canyon vor der Küste, der die Kraft der Wellenn nochmals verstärkt. Sobald der Swell
die Mündung des Canyons trifft, wird er kanalisiert und trifft mit voller Power
auf den Strand von Puerto. Puerto ist oft doppelt so groß wie die Spots in der Umgebung.

Zweifelst du nach solch einem Waschgang, wenn du wieder rauspaddelst?

Nee, ich habe mich in diesem Fall sogar noch selbstbewusster gefühlt. Ich hatte dort einen der schlimmsten Wipeouts überlebt, die man haben kann. Ich hatte also nichts mehr
wirklich zu befürchten. Schlimmer hätte es nicht mehr kommen können
und irgendwann muss ja auch wieder das Glück zurückkommen (lacht).

Aber wie bereitest du dich auf solche Hold-Downs vor? Kann man solche Szenarien trainieren?

Ja, das kann man auf jeden Fall. Der Schlüssel ist körperliche Fitness.
Man muss fit und stark sein und eine gewisse Grundausdauer haben. Außerdem sollte man immer wieder Atemübungen machen, um eine möglichst große Lungen-Kapazität
zu haben. Mit einem guten Training kann jeder so einen Wipeout überleben, solange man ruhig und entspannt bleibt und nicht in Panik verfällt.

 

 

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