Interview Filipe Toledo: wir haben Filipe Toledo in Südafrika getroffen und mit ihm über brasilianisches Temperament in Line – Up’s, seine größten Schwächen beim Surfen und über seinen Vater vs. Kelly Slater geredet. 

1. Interview Filipe Toledo: Filipe Toledo ist technisch einer der besten Surfer unserer Tage. Was sind seine Schwächen?

Lass uns über was anderes reden. Na gut: große Wellen und Barrels sind sicher nicht meine stärke. Es gibt immer irgendwas am Surfen das man verbessern kann/muss, bei mir sind es wie gesagt große Wellen und Tubes. Aber wie es ist, ich werde eines Tages sterben ohne perfekt zu sein, ich versuche aber ständig an meinen Schwächen zu arbeiten und bin sicher dass ich so irgendwann den WCT Titel gewinnen werde.

Filipe Toledo Jeffrys Bay
Schlecht in großen Wellen und Barrels. Im Pro-Life gelten einfach andere Maßstäbe. Foto: Alan van Gysen

2. Interview Filipe Toledo: Adriano de Souza erzählte einst von seiner 7 Dollar Story: so viel kostete das Surfboard, das sein Bruder ihm kaufte, durch welches er zum Surfen anfing. Hat Filipe Toldedo auch eine 7 Dollar Story?

Nein. Ich muss sagen zum Glück nein. Mein Vater war damals gesponserter Surfpro, Nino Surfboards unterstützte ihn damals. Ich hatte also Glück und mein Vater öffnete mir viele Türen, ich musste die Gelegenheiten nutzen und das Beste daraus machen.

Filipe Toledo Jeffrys Bay
Die tötlichste Forehand im Game!!! Foto: AVG

Filipe Toledo kommt aus einer Surffamilie

 

3. Interview Felipe Toledo: Also hat dein Vater dich zum Surfen gebracht?

Ja, genau, mein Vater hat uns Kinder immer mit ins Wasser genommen. Eigentlich surft unsere ganze Familie. Es war alles die Schuld meines Vaters 😉 !

4. Interview Filipe Toledo: Wenn man um die Welt reist und surft trifft man fast überall Brasilianer, sei es in Indonesien, in Mittelamerika oder Südafrika. Brasilianer verhalten sich im Wasser oft sehr kompetitiv, auch in Freesurfsessions. Ist diese Passion im Wasser ein Grund dafür, dass so viele Brasilianer die WCT surfen?

Ja bestimmt. Wir haben Hunger, sind passioniert. Wenn wir eine Gelegenheit sehen dann ergreifen wir sie beim Schopf. Vielleicht sind wir auch zeitweise übermotiviert, aber in Competitions hilft das eben ungemein, weil man sich dadurch auf ein Ziel konzentriert das man unbedingt erreichen will. Das macht uns am Schluss so erfolgreich, Temperament ist eben auch im Surfen hilfreich.

Filipe Toledo Interview
Filipe hat ein Herz für Kids. Hier mit Surprise, ein waschechter Durban Surfgrom. Foto: Alan van Gysen

5.Interview Filipe Toledo:  Dein Vater war selbst Surfpro und hat damals Heats gegen Kelly Slater gesurft. Heute surfst du selbst gegen Kelly Slater. Wer von euch hat mehr Heats gewonnen?

Mein Vater hat nur ein oder zwei Heats gegen Kelly gesurft, Kelly hatte sich damals bereits für die Tour qualifiziert, mein Vater hat es leider nie geschafft. Er war einmal nur einen Platz von der Qualifikation entfernt, hat es aber leider nie geschafft. Ich bin dementsprechend mehr Heats gegen Kelly Slater gesurft und habe dadurch auch mehr gewonnen!

Filipe Toledo Interview
Filipe Toledo hat seinen Vater schon lange überflügelt. Ein CT Titel fehlt dem brasilianer allerdings noch. Foto: Alan van Gysen

 

6.Interview Filipe Toledo:  Du bist aus Brasilien in die Staaten gezogen. Warum?

Also erstmal ging es mir darum meine Surfkarriere zu pushen. Die Industrie ist in den Staaten deutlich größer. Alle meine Sponsoren sitzen hier, meine Shaper, mit denen ich viel besser zusammen arbeiten konnte bei den Feintunings meiner Boards, die Materialien waren einfach besser. Aber ein weiterer wichtiger Punkt bei meiner Entscheidung war meine Familie. Wir sind zwar in keiner wirklich armen oder gefährlichen Nachbarschaft aufgewachsen, aber die Chancen für meine Familie in den Staaten war einfach deutlich besser, sie konnten hier vor allem Job technisch viel leichter Fuß fassen.