Heute Morgen war es traurige Gewissheit: La Reunion beweint sein nächstes Haiopfer. Ein 41 jähriger Angler wurde nur wenige Meter vom Ufer entfernt von einem Hai mehrfach in den Oberschenkel gebissen und erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen. Stattgefunden hat die Attacke an der Nordküste der Insel in St. Marie wo bisher keine Attacken verzeichnet wurden. Dies liegt aber vielmehr daran dass die Nordküste eher felsig und die Bade und Surfstrände sich vor allem im Westen der Insel befinden.

La Crise Requin

Seit 2011 häuften sich die Attacken auf La Reunion schlagartig, vor allem an der Westküste fanden vermehrt Haiangriffe statt, die vorher als komplett sicher galt. Auch vor 2011 gab es hin und wieder Haiattacken auf Menschen, diese fanden aber vor allem an der Ostküste statt, wo das Wasser aufgrund von vielen Flussmündungen sehr trüb ist, was für ein verstärkten Haiaufkommen sorgt.

Hier eine Hommage an Alexandre Naussac. Der 26 jährige wurde im Februar 2017 von einem Hai getötet.

Der 41 jährige Fischer ist bereits das 21 Opfer seit 2011, 10 der Angriffe endeten tötlich. In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl baden und surfen seit mittlerweile 6 Jahren verboten ist und auch vom Großteil der Bevölkerung eingehalten wird, sind diese Zahlen erschreckend hoch.

Ursachenforschung

Die Thesenschere geht hier weit auseinander und so ziemlich jeder Einwohner hat so seine Idee, warum sich die Attacken derart vermehrt haben. Wir haben hier mal die plausibelsten Gründe zusammengefasst:

  1. Zunehmende Wasserverschmutzung
  2. Eröffnung einer Fischfabrik in St.Paul die die Haie an die Westküste lockt (mittlerweile geschlossen)
  3. Haie dürfen vor La Reunion nicht mehr kommerziell gefischt werden und der Artbestand hat sich exponentiell vermehrt. Vor allem die Bullenhaie, für den Großteil der Angriffe verantwortlich, vermehren extrem schnell vor La Reunion, haben ihren einzigen Fressfeind den Riffhai ausgelöscht (sie fressen die Jungen Bullenhaie). Fischer bereichten dass sie in der Abenddämmerung alle 50 Meter Bullenhaie sichten.
  4. Es wurde eine maritime Schutzzone im Westen eingeführt. Es darf nicht mehr gefischt werden und die Bootsfahrt wurde untersagt. Haie meiden normalerweise Motorengeräusche, für viele Einheimische ein Mitgrund, dass die Haie sich seit dem Schifffahrtsverbot an der Westküste, wo sich die meisten Wellen befinden, ausgebreitet haben
  5. Die Überfischung der Hochsee lockt die Haie näher an die Küsten. Bullenhaie sind immer in Küstennähe, jetzt werden aber immer wieder auch Tigerhaie und vereinzelt weiße Haie nahe der Küste gesichtet.

    Die Attacken haben sich schlagartig vermehrt.

Der Bullenhai ist eine invasive Spezies und hat andere Tiere wie den Riffhai ausgelöscht. Sowohl Mark Healey als auch Kelly Slater äusserten vor einem Jahr die Notwendigkeit, die Bullenhai Population zu kontrollieren. Das Problem auf La Reunion ist menschgemacht und muss nun in den Griff bekommen werden. Man kann einem Insulaner den Zutritt zum Meer nicht verweigern. Und um dem Argument „Aber wir befinden uns ja im Lebensraum der Tiere“ den Wind aus den Segeln zu nehmen: man stelle sich vor, in Bayern fangen Wölfe an Bergsteiger zu reißen. Die Reaktion: Man geht raus und schießt den Wolf. Aber befinden sich die Bergsteiger nicht im Lebensraum der Wölfe?

Die Menschen auf La Reunion verzweifeln an der Situation und die internationale Surfszene sollte ihnen Gehör schenken.