Hast du einmal einen Angriff gesehen?

Ja, bei dem Angriff von 2004 und bei einem weiteren, der leider tödlich ausging. Der Surfer wurde dabei komplett zerfleischt. Das war im August 2014 und wirklich schrecklich. Wir hatten den Hai lange vorher gesehen und gemeldet, doch der Surfer ignorierte die Warnungen und ging trotzdem ins Wasser. Ich habe damals ins Funkgerät geschrien. Aber wir konnten nichts mehr tun und mussten hilflos bei dem Angriff zusehen. Das war’s aber auch in den 14 Jahren meiner Amtszeit. Früher verzeichnete Kapstadt durchschnittlich drei Haiattacken pro Jahr. Seit Einführung der Sharkspotter gab es nur diese beiden Tragödien.

Was passiert am Strand, wenn die Sirene losgeht?

Als wir anfingen, wussten die Leute damals nur wenig über das Thema. Wenn es eine Haiwarnung gab, die Sirene losging und wir die Leute aus dem Wasser holten, sprangen alle wie die Irren in ihre Autos und suchten das Weite. Der Strand war dann menschenleer. Inzwischen hat sich das beruhigt, und die Leute vertrauen uns. Sie kommen aus dem Wasser, warten auf unsere Entwarnungszeichen und fünf Minuten nachdem
der Strand wieder geöffnet ist, sind mindestens 50 Surfer im Wasser.

Hat der Job dich verändert?

Ich habe Haie am Anfang gehasst. Inzwischen habe ich aber extrem viel über die Tiere gelernt und eine Menge Wissen von Wissenschaftlern erhalten. Nun respektiere und liebe ich diese Tiere sehr. Menschen sind auch gar nicht das Ziel der Haie. Sie finden in den warmen Sommermonaten besonders viel Thunfisch, Rochen und auch Robben. Leider sind aber manchmal auch Surfer im Weg, und dann wird es gefährlich.

Anja Medau arbeitet als freie Journalistin und lebt in Südafrika. Sie ist öfter als Gastautorin für Prime Surfing tätig.