Serangan und die Off Season in Bali gehörten einst zusammen wie Alk und Ballermann. Leider findet diese Liebesbeziehung nun jäh ein Ende und die Halbinsel  mitsamt ihren wunderschönen Warungs weicht einem chinesischem Mammut Projekt.

Odin Zuhri

Odin Zuhri ist 35 Jahre alt, geboren in Indonesien und betreibt ein Guesthouse auf Bali, um genau zu sein in Seminyak. Aber er vermietet nicht einfach nur Unterkünfte, Odin verkörpert wie kaum ein zweiter alles, was wir an Bali lieben: diese unbeschwerte Herzlichkeit, diese Ehrlichkeit und diesen Charme, den nur Menschen mit einem reinen Herzen haben. Auch wenn man Odin nur wenige Tage kennt, fühlt man sich in seiner nähe wohl, ja man möchte fast behaupten er wäre ein Freund, kennt man ihn wenige Wochen, dann hat man ihn als Freund.

Odin Zuhri ist Balis authentischster Gastgeber

Odins Freundschaft ist variantenreich, bedingunslos, verbindlich und ehrlich. Wir könnten dieses Loblied nun bis zum Sankt Nimmerleinstag singen, aber Odin hat uns vor allem mit einem Juwel vertraut gemacht: Serangan.

Odin über Serangan

Als Odin vor 8 Jahren nach Seminyak zog, fing er an den extrem konstanten Reefbreak in Serangan zu surfen. Jeden, den er in der Off Season in seinem Guesthouse einquartierte machte er mit dem Spot vertraut und zeigte seinen Gästen im Line Up wo der Batl den Most holt. Dass dieser wunderschöne Ort, der viel mehr war als nur ein Weltklasse Reefbreak, einem chinesischen Luxusresort weichen soll, macht Odin fassungslos. Das Naturschutzgebiet um die Schildkröten Farm, die Warungs und das Meet and Greet am Strand sind ein für alle mal Geschichte.

Odins Brett schaut uns vorwurfsvoll an. Die vermutlich letzten Sprays in Serangan

Odin ist zwar geschockt aber nicht mehr überrascht von dem Vorgehen des balinesischen Staates. Er sagt dass man in Bali alles kaufen kann, solange nur der Preis stimmt. So spricht er beispielsweise vom „Palmtree law“, welches besagte, das kein Gebäude in Strandnähe die Höhe der Palmen übersteigen dürfe. Nur ein Blick über die Strandpromenade Kutas beantwortet, wie sehr diesem Gesetz noch Folge geleistet wird. Odin sagt, die Korruption sei im balinesischen Staat zu tief verwurzelt und es ist schier unmöglich ihr beizukommen. Proteste von Locals, die gegen das chinesische Bauvorhaben auf die Barrikaden gingen, wurden gewaltsam niedergeschlagen, das Geld gibt hier die Marschrichtung vor, die Tradition und Umwelt muss sich hinten anstellen.

Quo vadis Bali?

Fragt man Odin wie sein Bali in 10 Jahren aussieht, wird er schwermütig und prognostiziert eine schwarze Zukunft, er befürchtet wohl nicht zu unrecht, das weitere Wellen dem Kommerz weichen müssen, in Canggu herrscht durch den geplanten Bau einer Mole bereits Alarmstufe rot, aber auch dieses zerstörerische Projekt scheint nicht aufzuhalten zu sein.

Was wir dagegen tun können, darauf hat Odin keine Antwort. Es ist schwierig sich in Indonesien Gehör zu verschaffen wenn man nicht mit den Scheinen wedelt.

Aber Odin sagt, wir sollten allesamt unsere Augen öffnen und realisieren was passiert. Und mit den kleinen Dingen anfangen: kein Plastik zu verwenden, in lokalen Märkten und Surfshops einkaufen, den Weg zum Strand mal zu Fuß zu gehen und vor allem nicht in Villages einchecken, die von chinesischen Großkonzernen betrieben werden.

Was unsere chinesischen Freunde genau geplant haben, liegt noch im Dunkeln, die Erfinder der Zensur ignorieren bis dato alle Presseanfragen und geben keinerlei Statements ab. Kürzlich kam es jedoch zum Launch einer Webseite, die etwas Licht ins Dunkel bringt: Die Halbinsel Serangan soll umgebaut und umbenannt werden in das „Island of Hapiness“. Aber war Serangan das nicht schon davor? Dieser friedliche Strand, wo sich Surfer trafen um zu socialisen, die Indo Ladies günstige Massagen für verspannte Rücken anboten und die Warungs die hungrigen Bäuche für einen schmalen Taler füllten.

Odin sagt, er wird Bali eines Tages verlassen müssen, weil er sich keine Besserung verspricht.

Ein Apell

Bali ist und bleibt die Nummer 1 Surfdestination der Welt, uns dreht es Magen um, wenn sich Reisende stetig beklagen, was denn aus Bali geworden ist. Wir sollten uns bewusst werden, dass wir Bali zu dem gemacht haben, was es ist, weil wir immer mehr wollen und unsere gieriegen Gene niemals zufrieden sind. Wir suchen nun nach Ausweichdestinationen, Inseln wie Sumbawa, Rote und Java sind jetzt hip, sie verprechen Abgeschiedenheit, Abenteuer und leere Line Ups. Aber erstmal dort, strampeln wir wie die Kleinkinder wenn das Wifi ausfällt, das Essen im Homestay nicht schmeckt oder der durchgetretene Roller auf halber Strecke zum Spot seinen Geist aufgibt.Und am nächsten Tag buchen wir das Luxusresort, finanziert von einem herzlosen Großkonzern, der bereit wäre, Tehapoo dem Erdboden gleich zu machen solange die Rendite stimmt. Bali war all das, was Sumbawa, Rote oder Java noch sind, aber wenn wir mit unserem Stechschritt weiter blind durch die Welt marschieren, dann sind diese Inseln in 10 Jahren keinen deut besser als Bali. Wir sollten unser Konsum Verhalten hinterfragen, unseren Charakter auf die Probe stellen und ein bisschen weniger gierig sein. Wir sollten ein bisschen so sein wie Odin.

Auf der nächsten Seite seht ihr, wie Serangan an den meisten Tagen der off Season funktioniert.