Mathieu Crepel und sein Freund Morgan le Faucheur, der Gründer von Almo Film, konnten Quiksilver von ihrer Vision überzeugen, dass ein Snowboardprofi durch harte Arbeit zum Big Wave Surfer werden kann. In einem zweijährigen Mammutprojekt folgte Morgan seinem Freund Mathieu um den Globus und filmte Mathieus Reise zu seinem Omegaziel: einmal in seinem Leben Jaws zu surfen.

Quiksilver hat uns zu einer Presse Premiere eingeladen und so durften wir den Film „Shaka“ bereits gestern in der Jochen Schweizer Arena in einer inoffiziellen Premiere für euch vorkosten. Unser Erwartungshorizont war in etwa so hoch, wie die Wellen, die Mister Crepel in seinem Film surft und wir können euch eines sagen: der Film hat gemundet, das ist wirklich Gourmetküche der ersten Güteklasse. Wir haben uns nach der Premiere mit Morgan und Mathieu auf ein Bier zusammengesetzt. Im ersten Interview richteten sich die Fragen nur an Mathieu, morgen lest ihr das Interview mit Morgan.

Während der Dreharbeiten auf Hawaii hast du Eddie Rothman kennengelernt. Hawaii gilt als sehr „Sharky“. Hand aufs Herz: Hattest du mehr Angst vor Eddie oder den Haien?

Auf jeden Fall vor Eddie!!! Es war unser erster Trip nach Hawaii und wir hatten das Glück, im Quiksilver Haus übernachten zu können. Ich war bereits vorher mit Koa Rothman befreundet und ich kannte natürlich die Sagen, die sich um seinen Vater ranken. Als Koa mich Eddie vorstellte, nahm er mich kaum wahr. Es war gerade ein Contest in Pipeline der von Eddie organisiert wurde – er war wohl ziemlich busy. Als ich mich mit Yoga auf eine Surfsession vorbereitete, stand er auf einmal vor mir und fragte ob ich der Snowboard Dude sei. Wir unterhielten uns eine Weile, er war eigentlich sehr nett. Aber wenn er den Strand betritt, ist erstmal Ruhe. Es wirkt fast so, als würde er die Menge teilen. Hier an der Northshore hängen ein paar verdammt harte Hunde rum und Eddie ist ihr König. Seine Aura ist schon ein bisschen furchteinflössend.

Ein Mann der Tat: The one and only Eddie Rothman

Ist die Hackordnung in Hawaii wirklich so heavy wie es das Gerede vermuten lässt oder wird hier heißer gekocht als gegessen?

Wir waren bestens vernetzt und hatten von Anfang an Glück, die richtigen Leute zu kennen. Aber in Hawaii musst du dir deinen Respekt verdienen. Ich bin oft mit Koa rausgepaddelt, aber im Line Up ist die Freundschaft vorbei. Gerade in Pipe ist es scheissegal wer du bist, wenn du nicht aus Hawaii bist, hast du hier nichts zu melden. Selbst Surflegenden wie Kelly Slater müssen sich hier hinten anstellen. Die Wellen hier sind fantastisch, aber wenn du Lust auf einen witzigen Surftrip mit deinen Kumpels hast, dann flieg nach Indo oder Mittelamerika – Hawaii ist Krieg. Die Wellen sind mega heavy, die Jungs mega hungrig, die Atmosphäre immer extrem angespannt. Ich konnte so viele Nächte nicht richtig schlafen, ganz einfach weil ich nervös war und weil ich vom Quiksilver Haus die Monster aufs Riff donnern hörte.

In eurem Film sieht man einige Drop Ins. Eigentlich in der Surfwelt ein No Go, wie sieht es in Hawaii aus?

Ganz ehrlich: in Pipeline wurde mir wirklich in fast jede Welle gedropt. Es ist dort Modus Operandi. Wenn du aus Hawaii kommst – egal ob du 14 oder 80 bist – dann hast du die Erlaubnis zu droppen. Und weder ich noch ein anderer auswärtiger Surfer würde es auch nur wagen, sich darüber zu beschweren.

Du surfst für einen Snowboard Pro ein wahnsinnig gutes Level. Wie kommt das?

Ich bin in Tharbes zwischen Meer und Alpen aufgewachsen und habe fast zeitgleich zu surfen und snowboarden begonnen, in etwa als ich 7 Jahre alt war. Als ich dann auf die Leistungssportschule fürs Snowboarden ging, surfte ich aber einige Jahre gar nicht. Aber das Surfen war schon immer eine große Leidenschaft neben dem Snowboarden. Gerade fürs Big Wave Surfen hat mir das Snowboarden sehr geholfen. Man fährt irgendwie einen richtig großen Berg herunter.

Du kennst sowohl die Snowboard Szene als auch die Surfszene bestens. Welche ist feindseliger?

Diese Frage beantwortet sich von selbst. Viel mehr Hass im Surfen. Aber ich liebe die Challenge.

Du hast dich auf das Big Wave Surfen von verschiedenen Meistern ihres Fachs vorbereiten lassen. Unter anderem hat dir die Free Dive Ikone Guillaume Nery Atemtechniken beigebracht, Koa Rothman hat dich mit in die heftigsten Line Ups dieser Welt genommen. Inwiefern hast du es als Hilfe empfunden von den Besten zu lernen, inwieweit hat es dich belastet?

Natürlich war es erstmal eine sehr große Hilfe. Ich kenne Guillaume schon einige Jahre, habe aber noch nie mit ihm gearbeitet und seine Atemtechniken gaben mir gerade fürs Big Wave Surfen viel Selbstvertrauen. Auch Koa Rothman hat mir viel geholfen. Aber natürlich musst du dich beweisen und willst dich vor den Jungs nicht zum Affen machen. Insofern hat es auch ordentlich Druck auf mich ausgeübt, aber Druck, der am Schluss meine Lebensversicherung war. Gerade beim Bigwave Surfen kann jeder Tag dein bester oder dein letzter sein.

Mathieu geht für Guillaume und sich selbst an seine Grenzen

Auf der nächsten Seite erzählt Mathieu von seinem heftigsten Moment während der Dreharbeiten.