Surftrip–Überlebenshandbuch: Die Mücke: Massenmörder aus den Tropen

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Wie gefährlich ist Malaria wirklich?

Tropenmedizinerin Dr. Susanne Pechel weiß, was bei einer Ansteckung in deinem Körper passiert und welche Tropenkrankheit dir außerdem gefährlich werden kann.

„Was viele nicht wissen: Die Malariaerreger werden nur durch den Stich der weiblichen Malariamücke auf den Menschen übertragen. Nach kurzer Zeit befallen sie die Leberzellen. Dort vermehren sich die Erreger so lange, bis die Zelle platzt und zigtausende Erreger in die Blutbahn spült. In der Blutbahn befallen sie die roten Blutkörperchen, vermehren sich in ihnen und bringen sie ebenfalls zum Platzen. Bei diesem Vorgang werden wieder viele Para- siten frei, die wiederum neue rote Blutkörperchen befallen. Zu diesem Zeitpunkt – im frühesten Fall ab dem sechsten Tag nach der Infektion – setzen die ersten Krankheitssymptome ein: zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen.

Von einer Grippe ist die Malaria auf den ersten Blick leider nicht zu unterscheiden. Dies ist nur durch Blutuntersuchungen möglich, die Parasi- ten oder Parasitenbestandteile nachweisen. Daher gilt grundsätzlich: Jedes Fieber in einem Risikogebiet ist malariaverdächtig, und man sollte so schnell wie möglich zum Arzt – nur er kann eine zuverlässige Diagnose stellen und entweder Entwarnung geben oder dich behandeln. Schnelltests zum Mitneh- men erscheinen zwar praktisch, können aber beim kleinsten Fehler in der Handhabung zu falschen Ergebnissen führen. Das kann im Fall einer Infek- tion mit dem Erreger der Malaria tropica verheerende Folgen haben: Denn ohne Behandlung verläuft die Malaria tropica bei nichtimmunen Europäern häufig tödlich. Der Grund: Die befallenen Blutkörperchen verklumpen, setzen sich an den Gefäßwänden fest und bewirken so eine Störung der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung im betroffenen Organ. Daraus können unter anderem Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Leber- und Milzschwellungen, Lungenödeme, Nierenversagen und Koma resultieren. Malaria tropica ist die gefährlichste Malariaform und kommt in den meisten Risikogebieten vor.

Verschiedene Formen von Malaria

Seltener und harmloser sind die anderen Malariaformen, wie die Malaria tertiana und quartana, da hier bedeutend weniger rote Blutkörperchen be- fallen werden. Daher ist der Krankheitsverlauf nicht so schwer – es kommt zwar alle drei beziehungsweise vier Tage zu heftigen Fieberschüben, aber die Infektion verläuft meist ohne Komplikationen. Allerdings können beide Malariaformen selbst nach Monaten oder Jahren immer wieder ausbrechen, da manchmal Erreger in den Leberzellen zurückbleiben, die nach einer Art „Ruhepause“ erneut aktiv werden.

90 Prozent aller Malariainfektionen treten in Afrika, südlich der Sahara auf, aber auch die Westküste beinhaltet viele Hochrisikogebiete. Weltweit wird zwischen Regionen mit geringem, mittlerem und hohem Malariarisiko unterschieden, wobei es regional erhebliche Unterschiede geben kann. Auch die Jahreszeit spielt eine entscheidende Rolle. Generell ist das Ansteckungsrisiko während und nach der Regenzeit größer, da der Regen die Brutbedingungen für die Mücken begünstigt, die in stehenden Gewässern ihre Larven ablegen. Das bedeutet eine Zunahme der Mückenpopulationen, was wiederum zu einem erhöhten Übertragungsrisiko führt. Wo und wann das Malariarisiko wie groß ist, lässt sich aber ganz einfach auf www.fit-for-travel.de herausfinden.

Zwar sticht die Anophelesmücke überwiegend in der Dämmerung und nachts zu, tagsüber lauern dafür andere Gefahren. Zum Beispiel die Tigermücke. Sie ist tagaktiv und überträgt u.a. das Dengue-Fieber, eine Tropenkrankheit, die vor allem in weiten Teilen Süd- und Südostasiens, aber auch in Lateinamerika weit verbreitet ist. Neben Fieber zählen heftige Mus- kel- und Gelenkschmerzen zu den Symptomen, deshalb ist oft auch vom Knochenbrecherfieber die Rede. Im Rahmen der Erkrankung kann es zu schweren, zum Teil tödlichen Verlaufsformen kommen, die im Regelfall nur bei wiederholter Infektion und somit bei Reisenden sehr selten beobachtet werden. Der wirksamste Schutz gegen Malaria und Dengue-Fieber bleibt aber immer noch: Lass dich nicht stechen!“

Das Kapitel über die Mücke ist das letzte Kapitelaus dem Surftrip Überlebenshandbuch, welches wir hier exklusiv auf Prime Surfing veröffentlichen. Den Artikel über das Surfer’s Ear und über das richtige Verhalten bei Reef Cuts findet ihr unter den Links. Wenn ihr das Buch kaufen wollt, folgt diesem Link.

In den nächsten Wochen werden wir euch drei weitere Kapitel aus dem zweiten Buch des Autorenpaares vorstellen.