Könnte ich diese Welle auch surfen?

Eine interessante Frage. Außer Frage steht, dass Kelly diese Welle surfen kann, aber welche Welle kann Kelly auch nicht surfen. Einer, der sich seit etlichen Jahren mit künstlichen Wellen beschäftigt und der auch seine eigene Wavepooltechnik entwickelt, ist der Australier Greg Webber. Er meinte, nachdem er Kellys Video sah: “Es wäre interessant, einen durchschnittlichen Surfer bei seinen Versuchen mit dieser Tube zu sehen. Das ist nämlich eine wirklich technisch anspruchsvolle Welle und keinesfalls eine idiotensichere Tube. Selbst für Kelly, der in dem Video natürlich grandios surft, gab es ein paar herausfordernde Sections.”

Kannst du, was Kelly kann oder würde dich die Lip auf eine Reise ins tiefbrauen Wasser schicken.
Kannst du, was Kelly kann, oder würde dich die Lip auf eine Reise ins tiefbrauen Wasser schicken?

Wie funktioniert Kellys Welle?

Kelly selbst hat bisher nichts über die Technik des Wavepools verraten. Allerdings meint Tom Lochtefeld, der Mann, der mit seiner Firma Wave Loch den Flowrider erfunden hat, dass er die Technik kennt. Ja, Tom sagt sogar, dass er sich 2006, also schon vor zehn Jahren, an der gleichen Technik versucht hat. Er hatte zwar damals kein 1000 Meter langes Becken zur Verfügung, sondern nur einen 50-Meter-Pool, und seine künstliche Welle war auch nicht kopfhoch, sondern maximal hüfthoch. Aber die Form der Welle entsprach genau der von Kellys Welle – eben nur in einem kleineren Maßstab. Tom nannte die Technik damals “Flying Reef”. Im Prinzip handelte es sich dabei um eine Art Schlitten, der auf Schienen neben dem Pool auf- und abfahren konnte. Und um einen Arm aus Metallgestänge, der eine Art Pflug oder Keil am Grund des Pools durch das Wasser zog. Fuhr der Schlitten am Pool entlang, erzeugte der Keil unter Wasser eine kleine, aber perfekte Tube.

Tom Lochtefelds Testpool 2006.
Tom Lochtefelds Testpool 2006.

Warum gibt es die Welle erst jetzt, wenn die Technik schon zehn Jahre alt ist?

Weil Tom Lochtefeld sein “Flying Reef”-Konzept vor etwa vier Jahren wieder verworfen hat. Gründe gab es dafür einige. Etwa dass er es lediglich schaffte, alle vier Minuten eine Welle zu produzieren, dass es viele Bauteile unter Wasser gab, die schwer zu warten sind, dass es nicht möglich war, die Welle für Anfänger oder Könner zu verändern… Ob Kelly all diese Probleme gelöst hat? Wer weiß…

Was bringt die Zukunft?

Tja, wenn wir das mal wüssten. Sicher plant Kelly einen Wavepool zu eröffnen. Wann das aber der Fall sein wird (oder ob überhaupt) kann niemand sagen. Neuigkeiten in Sachen Wavepools wird es aber wohl bald geben. Denn Tom Lochtefeld hat anscheinend einen Weg gefunden, die Wellenfrequenz in einem Pool drastisch zu erhöhen (angeblich eine Welle alle sieben Sekunden). Die Eröffnung des ersten solchen Pools ist auch schon für 2016 in Rotterdam geplant. Um die Wellen zu erzeugen, setzt Tom jetzt auch nicht mehr auf bewegliche Bauteile im Wasser, sondern auf eine Art Energieimpuls.

So soll die Welle in Rotterdam aussehen, wenn sie fertig ist.