Dieses Interview fand auf der Terrasse von Jonathan Wierer aka Joni statt. Nicht im Allgäu, wo Joni herkommt, sondern in Indonesien, wo er sein Guesthouse Villa Kanari nur 500 Meter entfernt von einer Traumwelle errichtet hat.

Fotos und Interview: Markus Otto

Das ist ein extrem schönes Haus, das du hier im Nirgendwo in Indonesien hingestellt hast. Wie hast du das nur geschafft?

Ja, kaum zu glauben, aber wahr – mein Traum, den ich eigentlich schon immer hatte, ist fast fertig. Aber um zu erklären, wie es dazu kam, muss ich ein wenig ausholen. Eigentlich war ich nämlich schon immer auf der Suche nach Freiheit. Meine absolute Obsession war immer nur die eine Frage: Wie wird man frei? Irgendwie wurde mir nämlich schon in der Schule klar, dass es nicht alles sein kann, einfach zu machen, was alle im System machen: Also arbeiten, um sich Sachen zu kaufen, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag. Ich dachte, es gibt nur einen Weg, sich diesem Schicksal zu entziehen: Geld sparen, nichts davon ausgeben und so gut es geht, auf Konsum verzichten. Nachdem ich dann mein Studium der sozialen Arbeit in Köln abgeschlossen hatte, war mir klar, dass ich raus muss und das schnell! Zu diesem Zeitpunkt war ich schon ein wenig herumgereist und 100-prozentig mit dem Travelvirus infiziert. Außerdem hatte ich es geschafft, mir über die Studienjahre ein kleines Startkapital zusammenzusparen, was mir in Kombination mit etwas Glück zur Anschaffung einer kleinen Wohnung in Deutschland reichte. Das war die  Chance. Also nichts wie Mieter rein und One-Way-Ticket nach Australien buchen!

Joni vor seinem fast fertigen Guesthouse.
Joni vor seinem fast fertigen Guesthouse: Villa Kanari.

Warst du damals schon vom Surfen begeistert?

Zum Surfen bin ich schon lange vorher, nach meinem Fachabitur, durch eine dreimonatige Reise gekommen. Damals war ich 20 Jahre alt und hatte einige Jahre auf Skate- und Snowboard verbracht. Zu skaten habe ich auch schon mit 12 begonnen. Mein erstes Surfboard kaufte ich dann samt Neo mit einem Kumpel zusammen in San Diego, Kalifornien. Ein Shortboard übrigens, weil das Auto so klein war. Ein Board und ein Anzug für zwei, das beweist schon einen gewissen Spürsinn für finanzielle Effizienz, oder?

Und ein paar Jahre später lebst du nun in Indonesien. Wieso gerade Indo?

Das war einfach Liebe auf den ersten Blick. Der Geruch der Tropen, die Offenheit der Leute, das warme Klima… Einfach der Kontrast zu der Heimat. Es ist so eine andere Welt, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. In Kombination mit perfekten Wellen und den extrem günstigen Preisen war das Land einfach zu verlockend. Ehrlich gesagt muss ich mich heute, wenn es mal eine schwierige Phase gibt, wieder daran erinnern, dass man ja auch gegangen ist, weil es eben so anders ist.

Ein Bild, das (fast) alles zeigt, was wir an Indonesien so lieben.
Ein Bild, das (fast) alles zeigt, was wir an Indonesien so lieben.

Klar, Indonesien ist einfach etwas Besonderes. Aber wieso hast du dich für Batukaras im entlegenen Zentraljava entschieden? Die meisten bekannten Wellen sind doch im Westen oder Osten von Java.

Zufall. Das erste Mal war ich hier 2010, bevor ich alle bekannteren Indo-Spots wie Scar Reef, Desert Point, G-Land, Nias etc. abgeklappert habe. Das sind allesamt ziemlich perfekte, aber auch ziemlich anspruchsvolle Spots. Batukaras ist anders und vor allem bekannt für seinen easy Vibe sowie den perfekten, aber relativ soften Righthand-Pointbreak. Die erste Section nach dem Takeoff ist kurz, heavy, schnell und hohl. Auch mit Tubetime für den, der möchte. Dann verwandelt sich die Wall aber in eine perfekte Longboardwelle mit Sandboden. Sie kann sehr lang sein und eignet sich für jedermann. Bei Low Tide kann man auf derselben Welle des öfteren eine Standup-Tube sehen und ein paar Meter später genießen Anfänger und Longboarder dieselbe Welle, die sich nun geschmeidig, easy und mechanisch weiter um die Landzunge wickelt. Drumherum gibt es natürlich noch kilometerweise endlos empty Indocoastline zu entdecken. Es gibt noch so viele einsam peelende Qualitätswellen, die neben den „Big Names“ wie G-Land irgendwo im Nirgendwo existieren. Man muss sie nur finden, was zugegebenermaßen bei einem zweiwöchigen Standardurlaub schwierig ist.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, was es mit dem berüchtigten „Ausländergesetz“ in Indonesien auf sich hat.