Janni Hönscheid, 24, Model und Pro-Surferin, auf Fuerteventura aufgewachsen

Janni Hönscheid und Sylvi Bodhi mögen es heiß.
Janni Hönscheid und Sylvi Bodhi mögen es heiß. Foto: Nick Antonacci / Mark & Dave’s

Wo geht es diesen Winter für dich hin und wieso ausgerechnet dorthin? 

Eigentlich war der Plan, nach einem ziemlich verrückten Jahr diesen Winter auf Fuerteventura bei der Family zu verbringen. Maximal wollte ich zur Weihnachtszeit einfach mal ganz normal und ohne Boards in einen Flieger nach Deutschland steigen und mir ein paar Weihnachtsmärkte anschauen, was ich sonst nie mache. Doch dann erhielten meine Freundin Sylvi Bodhi und ich eine Einladung: Zwei Wochen im Mark & Dave’s Resort in Nicaragua wohnen und dort mit dem Fotografen Nick Antonacci shooten. Eine Woche später saßen wir auch schon im Flieger. Und wenn man schon reist, kann man eigentlich auch gleich weiterreisen… Also überlegten wir uns, für eine Woche meine Schwester auf Maui zu besuchen. Und dann war da noch die Anfrage von unserem Freund Swilly, einem australischen Wasserfotografen, der gerne mit uns in P-Pass, Mikronesien, shooten möchte. Auf dem Rückweg legen wir dann noch einmal einen Zwischenstopp in Hawaii ein, schauen uns den Pipeline Pro an, verbringen Weihnachten und Sylvester auf Maui und machen einen Abstecher nach Kauai. So ist aus einem geplanten Kurztrip zum Weihnachtsmarkt plötzlich eine zweimonatige Reise durch die Weltgeschichte geworden!

Welche Erwartungen hast du und mit welchen Wellen rechnest du dort?

Ehrlich gesagt kam der Trip so spontan, dass ich gar keine Zeit für Erwartungen hatte. Meiner Erfahrung nach kommt letztendlich eh alles immer ganz anders, als man denkt. Nicaragua und Mikronesien standen beispielsweise gar nicht auf meiner Liste. Das gilt vor allem für Mikronesien: Ich hatte das Flugticket schon in der Tasche und musste dann erst einmal nachsehen, wo es überhaupt liegt! Mein größter Wunsch ist natürlich gute Wellen zu surfen und nette Menschen zu treffen. Aber auch, dass meine Boards heil bleiben, dass Sylvi und ich heil bleiben, und dass wir – ganz in unserem Style – einfach die verrücktesten Abenteuer erleben. Dass wir beide am Ende des Trips heulend am Flughafen stehen und nicht ‚Tschüss‘ sagen wollen. Braungebrannt, ein paar Surfnarben hier und da, viel Übergepäck, total ausgesurft, eventuell verkatert oder noch betrunken von der “Last Night of the Trip-Party”, mit gebrochenen Herzen, mit 1000 Insiderjokes, die nur wir beide verstehen, mit Hammer-Surffotos auf dem Laptop, ein paar gesammelten Muscheln im Gepäck und am wichtigsten: mit dem Gedanken, schon wieder unseren nächsten verrückten Trip planen zu wollen.

Gibt es irgendetwas, was dort auf keinen Fall passieren sollte? 

Alles, was nicht passieren darf, ist schon passiert: Sylvi und ich sollten uns in London Heathrow am Gate treffen, um unsere Reise dort gemeinsam zu starten. Dafür, dass wir die Reise erst eine Woche vorher geplant hatten, war ich extrem gut vorbereitet und entspannt. Das ganze Gepäck war auf das Gramm perfekt abgewogen, und ich hatte sogar an Kompressionsstrümpfe gedacht. Gut ausgeschlafen stieg ich an jenem Morgen in London in den Hotel-Shuttlebus zum Flughafen, und da passierte es: Mein Reisepass hatte unter meinen vielen Reisen scheinbar sehr gelitten und entschied sich, zweieinhalb Stunden vor meinem Flug nach Miami einfach auseinander zu fallen. Ich dachte erst, halb so wild, ein bisschen Superglue und dann geht das. Doch scheinbar war es wilder als ich dachte, denn man wollte mich mit dem Pass nicht mehr fliegen lassen. Panisch stieg ich in ein Taxi zur deutschen Botschaft, in der Hoffnung noch irgendwie meinen Flug zu schaffen. Doch dort angekommen, sagte man mir, dass ein neuer Pass hier zwei Wochen brauchen würde. In Berlin wären es jedoch nur drei Werktage. Also buchte ich vom Taxi aus mein Ticket nach Nicaragua auf eine Woche später um und flog erst einmal in die andere Richtung – nach Berlin. Natürlich wurde genau am nächsten Tag im Landesamt eine Bombe entschärft, meine Schulfreundin Maria, bei der ich in Berlin unterkam, brach den Wohnungsschlüssel kurz vor meinem Abflug ab (mein Gepäck war noch in ihrer Wohnung), und bei der Rückreise hatten sie Probleme mit Nebel über London, so dass der Flug fünf Stunden Verspätung hatte. Während ich mich mit meinem Boardbag durch die Londoner U-Bahn boxte, bekam ich Fotos von Sylvie, die schon in Nicaragua war – von perfekten Wellen, Kokosnüssen und Sonnenuntergängen. Aber so ist das mit dem Reisen nun einmal. Wenn man erstmal seine Komfortzone verlassen hat, gibt es kein Zurück mehr. Dann muss man lernen, mit diesen Dingen umzugehen, ruhig zu bleiben und jedes Hindernis als eine neue Möglichkeit wahrzunehmen. Alles passiert im Leben aus einem bestimmten Grund! Und so saß ich dann eine Woche später und 1.500 Euro ärmer mit einem nagelneuen Pass endlich im Flugzeug nach Nicaragua. Dafür weiß ich es jetzt umso mehr zu schätzen…

Welchen Quiver nimmst du mit?

Mein Quiver besteht aus drei Surfboards: zwei Squash Tails (Allround Surfboards) und ein 6′ Pintail für P-Pass. Natürlich hätte ich liebend gern mein Longboard und eine Gun für größere Wellen mitgenommen, doch die meisten Airlines, mit denen ich fliege, nehmen nur Boardbags bis zu 190 Zentimeter Länge mit.

Gibt es sonst noch etwas, das dort unverzichtbar ist und unbedingt mit muss?

Meine Meerjungfrauenflosse ist absolut unverzichtbar und kommt immer mit! Außerdem hatte ich dieses Mal sogar noch Halloween-Kostüme eingepackt. Beim Security Scan sahen die Plastikschwerter und Metallketten ziemlich spooky aus. Aber in meinem Boardbag findet sich eigentlich bei jedem Trip etwas Ungewöhnliches: Von Meerjungfrauenflossen über pinke Perücken, Blow Up Dolls, Engelsflügel, indianische Federkronen – man muss eben auf jeden Anlass vorbereitet sein und sorgt so immer für eine gute Story!

Auch für den ehemaligen deutschen Meister Alex Tesch geht es diesen Winter in Richtung Tropen – wohin genau, erzählt er auf der nächsten Seite…