Das Unheil nimmt seinen Lauf

Als Conors Board über die Stufe raste, verschnitt er, geriet mit dem äußeren Rail ins Wasser und flog nach vorne, während er noch immer den GoPro-Stick fest in der Hand hielt. “Kaum unter Wasser, zog mich die Welle wieder nach oben in die Lippe und schleuderte mich nochmal nach vorne”, beschreibt Conor den Start seines Martyriums. Er flog dem Wasser entgegen und prallte so hart auf, dass es ihm die Luft aus der Lunge drückte und ihm die GoPro entrissen wurde. Aber es presste ihn gleichzeitig auch so tief unter Wasser wie selten zuvor. Der Grund: Die fehlende Rettungsweste. Denn die hätte Conor näher an der Oberfläche gehalten. So aber taumelte sein Körper immer tiefer in den dunklen Abgrund. Der GoPro erging es übrigens genauso. Denn die Kamera bekam Conor irgendwann während des Waschgangs mit solcher Wucht ins Gesicht geschleudert, dass seine Augenbraue aufplatze und ihm fast die Lichter ausgegangen wären. “Die Zeit unter Wasser fühlte sich so lange an. Eine Ewigkeit ohne einen Atemzug, und mein Körper schrie nach Luft. So sehr, dass mein Zwerchfell heftig zu zucken begann.” Ein Zeichen, das allen Freitauchern weltweit bekannt ist. Es heißt: Die Luft geht aus. “Ich hatte schon den Gedanken, dass ich nicht mehr nach oben kommen würde”, meint Conor.

Conor nach seinem Nahtoderlebnis - er sieht etwas mitgenommen aus.
Conor nach seinem Nahtoderlebnis – er sieht etwas mitgenommen aus.

Der Aufstieg

Als die Welle endlich ihren Griff lockerte, die Strudel und Strömungen aufhören an Conor zu zerren, begann er nach oben zu schwimmen. “Ich brauchte sieben Schwimmzüge bis zur Oberfläche, und als ich an der Luft war, dauerte es sogar noch ein paar Augenblicke, bis ich wieder richtig atmen konnte.” Dazu tanzten Sterne vor seinen Augen von der langen Atemnot. Kein Wunder, war Conor doch zwei Wellen lang unter Wasser gedrückt worden, wie ihm Barry später erzählte. Der raste auf dem Jetski heran, sobald Conor nach oben gekommen war und zog ihn zu sich nach oben. Gut sah Conor in diesem Moment nicht aus: Seine Lippen waren blau und sein Gesicht blutüberströmt von der Platzwunde, die die Kamera hinterlassen hatte.

Aber mit etwas Pflege wird er wieder vorzeigbar.
Aber mit etwas Pflege wird er wieder vorzeigbar.

Nachspiel

Nachdem Barry die Wunde gesäubert und Conor wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt hatte, saßen die beiden auf dem Jetski im Channel und sahen anderen Surfern zu. Conor fragte noch, ob er vielleicht Barry in ein paar Wellen ziehen sollte. Doch der lehnte ab. Vielleicht weil Conor mit seiner Platzwunde auf einem Auge fast blind war. Vielleicht auch weil der Schrecken noch zu tief saß. Conor war auf jeden Fall am nächsten Tag schon wieder heiß, sich den Wellen von Mullaghmore erneut zu stellen. Allerdings nie wieder ohne Rettungsweste.

Ein Video zum Wipeout und den besten Sessions von Conor im Winter 2015 gibt es auf der nächsten Seite.